Kommentar

Ergebnisse der COP28 – Stehen bleiben oder weitergehen?

Kerstin Wohlfahrt
Online-Redaktion
Während Ölstaaten und -konzerne an fossilen Energien festhalten und lediglich auf saubere Techniken setzen, könnten andere einen weitaus profitableren Weg gehen. Die SwitchCoal-Studie legt dar: Es lohnt sich!

Unser Optimus bezüglich der Ergebnisse der COP28 in Dubai war von Anfang an begrenzt, betrachtet man die hohe Anzahl der Delegierten aus der fossilen Industrie und den aufgedeckten Absichten des Ölmanagers und zugleich Konferenzpräsidenten. Die Befürchtungen scheinen sich zu bestätigen und die Aussichten auf die nächste COP29 in Aserbaidschan sind auch nicht wirklich besser.

Ölkonzerne und Ölstaaten blockieren den weltweiten Ausstieg aus fossilen Energien. Der Grund dafür ist offensichtlich: Öl und Gas bescheren ihnen großen Reichtum und diesen wollen sie erhalten. Für sie wird es keine Zukunft ohne Öl und Gas geben, was drastische Folgen für uns alle, insbesondere für die Kinder und zukünftigen Generationen hat. Stattdessen bauen sie darauf, dass irgendwann das Kohlendioxid einfach wieder aus der Luft geholt werden kann. Milliarden von Dollar sollen in saubere Technologien investiert werden und gleichzeitig mehr als dreimal so viele Milliarden Dollar in die weitere Öl- und Gasförderung. Es gibt bereits Techniken dafür, wie die Anlage Orca des isländischen Start-ups Climeworks oder von Carbon Engineering aus Kanada. Jedoch funktioniert das nicht in dem großen Stil, der nötig wäre, um die Klimaerwärmung aufzuhalten. Ölkonzerne kaufen solche Techniken zudem eher dafür, um mit dem in den Boden gepumpten Treibhausgas noch mehr Öl und damit neues CO2 aus dem Boden zu holen. Wer davon profitieren will, ist offensichtlich und eine Reduzierung der Klimaerwärmung bringt dies nicht. Zudem kosten diese Techniken Unmengen an Geld, welches nur vorhanden ist, wenn weiterhin fossile Energien gefördert werden.

Dabei gibt es einen Weg, der dem Klimaschutz dienlich ist, eine Transformation voranbringen würde und mit dem man wirtschaftliche Vorteile realisieren, bestehende Infrastruktur nutzen und Arbeitsplätze sichern kann. Die neue Studie SwitchCoal legt diesen Weg dar, wie man weltweit von Kohlekraftwerken auf WindSolar-Batterie-Kraftwerke umsteigen kann.

Gerade ringt man um den Abschlusstext der Weltklimakonferenz und der neue Entwurf sieht keinen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas mehr vor, sondern lediglich eine Reduzierung. Das Ergebnis der COP28 scheint also Stillstand zu bedeuten, wenn nicht sogar Rückschritt.

Die USA fordern Nachbesserungen, Deutschland und die EU lehnen den neuen Abschlusstext ab. Laut diesem Abschlussbericht wäre sogar die Kohleverstromung und damit der Neubau von Kohlekraftwerken akzeptabel. Da bleiben Deutschland und der EU wohl nichts anderes übrig, wenn sie vorwärts gehen wollen, als mit eigenen Wegen um den Beschluss herumzugehen. Die SwitchCoal-Studie zeigt dafür einen geeigneten Pfad auf, den es zu verbreiten gilt. Die USA beschreiten den Weg des Kohleausstieges bereits und schließen sich der Powering Past Coal Alliance an, einem Pakt von fast 60 Ländern, die versprochen haben, den Ausstieg aus Kohlekraftwerken zu beschleunigen, mit Ausnahme der wenigen, die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung haben.

Helft uns bei unserer Kampagne und erzählt so vielen Menschen in wichtigen Ämtern wie möglich von der SwitchCoal-Studie! Hier findet ihr Informationen und Material: zufki.de/projekt/switchcoal/

Update

Die COP28 ist mit einem Minimalkonsens zu Ende gegangen. Ein klarer Ausstieg aus fossilen Energien wurde nicht vereinbart. Erstmals einigte man sich jedoch auf einen Übergang weg von fossilen Brennstoffen im Energiesystem. Zur Nachbesserung des Abschlusspapiers drängten insbesondere die USA und die EU, gegen den Willen der Mitglieder der Erdölproduzent:innengruppe OPEC.

Auch wenn Länder wie Saudi-Arabien es als Erfolg sehen, dass kein Ausstieg aus den fossilen Energien beschlossen wurde, so werden langfristig jene Länder als Gewinner im wirtschaftlichen Sinne dastehen, welche auf Transformation und Investitionen in alternative Energieträger setzen. Deutschland sollte den Anschluss für den Umbau schleunigst umsetzen und nicht mehr auf veraltete Technologien bauen, ansonsten wird das Land ziemlich bald wirtschaftlich abgehängt. 

Quellen:

Ingo Stuckmann explains SwitchCoal

Switch Coal profitably to renewable energy – Zero Emission Think Tank

COP28 in Dubai: Der einzig wahre Preis für CO2 – DER SPIEGEL

Klimagipfel ringt um Abschlusstext: Doch kein Ausstieg aus fossilen Energien? | tagesschau.de

Deutschland und EU lehnen COP28-Beschlussentwurf ab – ZDFheute

At COP28, US commits to shutting down its coal plants

The SwitchCoal Project: Profitable Green Energy

Klimakonferenz in Dubai fordert „Übergang“ – ZDFheute

Deutschland darf nicht wie Saudi-Arabien enden

Kerstin Wohlfahrt
Online-Redaktion